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Ein kurzes Hörtraining zum Selbermachen

Inhalt

0.   Einleitung
1.   Schritt: Geräusche in der Wohnung erkunden
2.   Schritt: Geräusche im Freien erkunden
3.   Schritt: Die eigene Sprache neu hören
4.   Schritt: Einen Sprecher verstehen
5.   Schritt: Fernsehen und Radio benutzen
6.   Schritt: Unterhaltung in Gesellschaft
7.   Schritt: Öffentliche Veranstaltungen
8.   Schritt: Hören im Lärm
9.   Schritt: Wie weiter?

0. Einleitung

Glückwunsch, daß Sie sich mit Hörtraining befassen wollen! Das nun folgende Hörtraining wird Ihnen viel Nutzen bringen, weil es Ihnen schneller zum erfolgreichen Hören und Verstehen mit Ihren neuen Hörgeräten verhelfen wird. In Ihrem eigenen Interesse möchte ich Sie aber um eines bitten: Seien Sie geduldig – vor allem sich selbst gegenüber. Denn wenn Sie etwas schnell erzwingen wollen, werden Sie wahrscheinlich Mißerfolge ernten. Und bedenken Sie bitte, wenn Sie Ihre Hörfähigkeit mit anderen Hörbehinderten oder Normalhörenden vergleichen, daß selbst das beste Hörgerät nicht wieder gesundes Hörvermögen herstellen kann.

1. Schritt: Geräusche in der Wohnung erkunden

Sorgen Sie dafür, daß Sie sich wenigstens eine halbe Stunde ohne Störung mit Ihren Hörgeräten befassen können. Stellen Sie alle lauten Geräuschquellen ab. Machen Sie es sich bequem und setzen Sie die Geräte in die Ohren. Stellen Sie die Geräte an, sofern Sie daß nicht schon vorher gemacht haben. Sollten Ihre Geräte eine Lautstärkeregelung besitzen, so drehen Sie das Rädchen mehrmals laut und leise bis Sie ein Gefühl für die Einstellung haben. Räuspern Sie sich dabei oder sprechen Sie in mittlerer Lautstärke ein paar Worte zur Kontrolle.

Bleiben Sie dann still sitzen und lauschen Sie. Hören Sie Geräusche? Sind sie Ihnen vertraut, oder klingen sie fremd? Versuchen Sie herauszufinden, was es für Geräusche sind und woher sie stammen. Haben Sie dies ein paar Minuten gemacht, so stehen Sie bitte auf und laufen im Zimmer umher. Verursachen Sie Geräusche, indem Sie Schalter, Schubfächer und andere Dinge benutzen.

Erkunden Sie nun mit den Hörgeräten die Wohnung, aber vermeiden Sie dabei sehr laute Geräusche. Damit meine ich Geschirrklappern und Toilettenspülung, welche von Hörgeräteanfängern meist als unerwartet laut empfunden werden.

2. Schritt: Geräusche im Freien erkunden

Zuerst sollten Sie ein Fenster öffnen und erkunden, was da so von draußen an Geräuschen zu Ihnen kommt.

Je nach Lust und Laune werden Sie mal ein „Fenstergucker“!

Später sollten Sie nach draußen gehen und einen Spaziergang machen. Vermeiden Sie anfänglich sehr laute Gegenden oder Situationen. Bewegen Sie sich bitte nur auf „sicherem Grund“, wo sie nicht in Gefahr kommen, auch wenn Sie einmal nicht optimal reagieren (z.B. Straßenverkehr).

Sehr gut geeignet sind Parks oder eine freie Landschaft (auch Wald). Hier können Sie vor allem Vogelstimmen erforschen.

Sollten Sie nicht aus dem Haus kommen, so können Sie auch Naturgeräusche und Tierstimmen von CD oder Band anhören.

3. Schritt: Die eigene Sprache neu hören

Die eigene Stimme wird Ihnen anfänglich ungewohnt vorkommen, wahrscheinlich auch zu laut. Das ist aber eine Sache der Gewöhnung. Bedenken Sie bitte, daß Sie wahrscheinlich über Jahre Ihre eigene Stimme zu leise wahrgenommen haben. Wenn Sie überwiegend einen Hochton-Hörverlust haben, der nun mit einem Hörsystem ausgeglichen wird, so werden Sie Ihre eigene Stimme wahrscheinlich unnatürlich hell im Klang empfinden. Auch das läßt sich nicht ganz vermeiden, denn zum Verstehen anderer Stimmen brauchen Sie die Verstärkung der hohen Töne, und Ihr Hörsystem kann nur bedingt zwischen eigener und fremden Stimmen unterscheiden.

Hier hilft nur Gewöhnung durch Übung: Sprechen Sie! Flüstern Sie! Schreien Sie! Singen Sie! Aber informieren Sie vorher bitte Ihre Umgebung, damit Sie nicht irgendwelchen Ärger bekommen.

Eine gute Übung ist auch etwas laut vorzulesen. Nebenbei wird das bei (Enkel-)Kindern oder dem Partner auch gut ankommen. Sie lernen gerade beim Vorlesen, Ihre Stimme zu kontrollieren.

Ihre Umgebung wird wahrscheinlich schnell bemerken, daß Sie mit Hörsystem leiser sprechen. Nach einiger Zeit wird Ihnen vielleicht auch gesagt, daß Sie wieder deutlicher sprechen – ist das nicht eine schöne Aussicht?

4. Einen Sprecher verstehen

Diese Situation wird sich zwangsläufig ergeben. Versuchen Sie aber bitte auf die gewohnten Hilfen zu verzichten, als da sind:

– gewohnheitsmäßiges Nachfragen,
– auf die Lippen schauen,
– Gestik und Mimik des Sprechers beobachten.

Bitten Sie Ihren Übungs-Partner, Hürden in die Kommunikation einzubauen:

– die Entfernung vergrößern,
– die Lautstärke variieren,
– das Sprechtempo verändern,
– das Gesicht wegdrehen beim Sprechen,
– bei Dunkelheit miteinander sprechen,
– Einzelwörter vorsagen lassen und nachsprechen,
– Zahlen vorsagen lassen und nachsprechen.

5. Schritt: Fernsehen und Radio benutzen

Häufiger Anlaß für eine Hörgeräteanschaffung ist das Bestreben, die Lautstärke des Fernsehapparates auf ein (nahezu) normales Niveau zu bringen. Moderne Apparate haben einen Leucht- oder Strichbalken für die Lautstärkedarstellung. Notieren Sie Ihre gewohnte Einstellung (ohne Hörgeräte) und die Einstellung, welche Ihre guthörenden Mitmenschen als normal empfinden. Können Sie mit Ihren Hörgeräten dann genug verstehen? Auch das braucht Übung. Beginnen Sie mit Nachrichtensendungen, denn deren Sprecher sind meist besonders geschult. Achten Sie bitte darauf, Sprech-Sendungen zu benutzen, bei denen möglichst keine Hintergrundmusik verwendet wird. Überprüfen Sie Ihren Abstand zum Fernsehapparat. Sollten Sie nur mangelhaften Erfolg beim Verstehen haben, so bedenken Sie bitte, daß bei Fernsehapparaten häufig die Klangqualität mangelhaft ist. Prüfen Sie evtl. andere Apparate in der Nachbarschaft oder bei einem gut ausgestatteten Händler. Verwenden Sie dann statt dessen eine gute Stereoanlage. Aber lassen Sie diese bitte von einem Guthörenden bzgl. des Klanges einstellen.

6. Schritt: Unterhaltung in Gesellschaft

Alles Verstehen, wenn mehrere Menschen gleichzeitig (durcheinander) reden, ist eine Kunst, welche auch mit normalem Gehör meist nicht erreicht wird. Deshalb sollten Sie hier den Mut nicht so schnell sinken lassen, wenn es nicht so recht klappen sollte. Gehen Sie hier behutsam vor – also nicht gleich zu Riesen-Partys gehen, sondern mit 2 oder 3 Gästen im heimischen Wohnzimmer beginnen. Nutzen Sie Elemente der Hörtaktik wie z.B. gute Beleuchtung, bekannte Themen, ruhiges Umfeld, keine Hintergrundmusik. Üben Sie Stimmen zu unterscheiden. Konzentrieren Sie sich auf eine Stimme und versuchen Sie dieser zu folgen.

7. Schritt: Öffentliche Veranstaltungen

Vermeiden Sie öffentliche Veranstaltungen in halligen Räumen. Kirchen haben diesbezüglich meist eine sehr ungünstige Akustik.

Bemühen Sie sich, möglichst nahe am Sprecher zu sitzen.

Bemühen Sie sich um eine gute Sicht zum Sprecher, damit Sie durch Gestik und Mimik zusätzliche Informationen erhalten können.

Fragen Sie nach, ob eine Induktionsschleife installiert wurde. In diesem Fall können Sie Ihr Hörsystem auf Induktion stellen und ohne Nebengeräusche und Nachhall besser verstehen.

8. Schritt: Hören im Lärm

Hörgeräte gehen von Lärm i.d.R. nicht kaputt. Bedenken Sie aber bitte, daß Lärm gesundheitsschädigend ist, insbesondere für die Ohren – auch bei schon vorhandener Schwerhörigkeit. Also sollten Sie Lärm meiden. Ist er unvermeidlich, so testen Sie, ob Ihr Hörsystem Ihnen dann noch einen Nutzen bringt oder ob Sie es lieber ablegen sollten. Sehr hochwertige Systeme können viel nützen, z.B. Lärmschutzfunktion und gutes Verstehen vereinen, einfache Systeme eher stören. Erzwingen Sie beim Probieren nichts, gönnen Sie sich Pausen.

9. Schritt: Wie weiter?

Tauschen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen Hörgerätenutzern aus. So können Sie vielleicht den einen oder anderen nützlichen Tip bekommen. Lassen Sie sich aber bitte nicht davon abhalten, Dinge selbst auszuprobieren. Denn jede Hörgeräteversorgung ist ganz individuell und Neugier und Optimismus sind in jedem Fall nützlicher als Resignation aufgrund von Mißerfolgen anderer.

Besprechen Sie Ihre Erfahrungen, Erfolge und Mißerfolge mit Ihrem kompetenten Partner – Ihrem Hörakustiker. Er nimmt sich gern die Zeit, nach Verbesserungen zu suchen, wenn er Ihr echtes Interesse spürt.